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Geschichte der Brauerei und des Gasthofes

1457 - Die Geschichte des Hauses

Hanns Hilbrant, sneider genant, zu Mem[m]elsdorf habet in feudum [hat zu Lehen] hauß, stadel und hoffreit soweit und prait das versteint und vermarckt [ist] und daran von der schenckstat daselbst gen dem kirch[h]off uber geteylt und daran gelegen ist(,) das er dan[n] von Fritzen Seuerlein dem jungen kaufft hat mit den Zinsen als das vormals von der schenkstat geteylt und verlassen [überantwortet] ist. Inc. actum am donstag [=donnerstag] trium regum [Dreikönigstag, 6. Januar] anno X. LVII mo [1457 ten]

Quelle: Staatsarchiv Bamberg, Standbuch 549, Kammerlehenbuch 1452 bis 1480, fol. 41 b

Von Gesindekammern zum Drei Sterne Komfort Hotel

Vor dem Krieg waren die Drei Kronen eine Landwirtschaft mit Brauerei und Gaststätte in einem ökologischen Kreislauf:

die Produkte der Landwirtschaft (Braugerste) wurden zu Bier „gesotten“, die übrig gebliebene Treber ans „Rindviech“verfüttert, welches wiederum Milch gab, aus der im Butterfass die solche gestampft wurde. Natürlich gab’s auch den „Zieberläskäs“, der seinen Namen von der Verfütterung an „Zieberla“, fränkisch für Küken, hat. Auch die Rindviecher wurden irgendwann geschlachtet, wanderten als Rouladen und Braten in die Töpfe der Brauhausküche und folglich auf den Tisch. Die Speisereste wurden im Stall an Schweine verfüttert, die ebenfalls irgendwann wieder als Kotelette oder Sülze im Wirtshaus auftauchten. Ökologisch eben, kurze Wege, alles natürlich und selbst produziert – ein Traum.

Nach dem Krieg wandelte sich das Bild stark: das „Gesinde“ gab es nicht mehr, in deren Kammern wohnten zunächst Vertriebene, die nach und nach eine Heimat in der Gemeinde fanden. Und dann kam – so um 1955 – der erste Vertreter ins Haus. Er fuhr einen Käfer, hatte auf dem Dach eine blecherne Flasche Kölnisch Wasser. Er fuhr regelmäßig aus Nürnberg her und zahlte für die Übernachtung 3,50 DM. Dusche gab es auf dem Flur, das Zimmer war mit Bett, Stuhl, einer Steckdose sowie einem eintürigen Schrank ausgestattet. Halt! Ein Waschbecken war auch noch vorhanden, damals Luxus. Nach und nach wurden sämtliche Kammern zu Fremdenzimmern umfunktioniert. 1969 wurde im Stammhaus der Dachstuhl erneuert und gleich mehrere Zimmer, bereits mit Bad, eingerichtet.

1973 mit der 1000-Jahr-Feier Bambergs, kam der Städtetourismus auf, so dass das Haus auch am Wochenende belegt war. Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden baute man den früheren Malzboden in sieben Fremdenzimmer um.

1983 fingen Hans-Ludwig und Lieselotte Straub an, den ganzen Betrieb umzukrempeln: im ersten Stock und im Brauhaus wurden die Zimmer auf den damalig modernsten Stand gebracht. Und bedeutsam: Fortan wurde aus „Fremden-“ „Gästezimmer“ Ganz wichtig ist die Einstellung – da sind sich die Wirtsleute auch heute noch einig – aus Fremden wurden Gäste. 1987 beschloss die Familie, aus dem damaligen „Forstersaal“ weitere Gästezimmer zu machen. Für damalige Verhältnisse ungewöhnlich große Räume mit ebenso großen Bädern verhalfen dem Projekt sofort zu durchschlagendem Erfolg. 1994 wurde diese Aktion mit drei Behindertengerecht ausgestatteten Zimmern vervollständigt.

Das Haus hat in den letzten 25 Jahren die größten Veränderungen mitgemacht, seit 1748 die Grundmauern errichtet wurden. Die Drei Kronen sind heute rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr buchbar, weltweit und mit Sofortbestätigung. Alle Hotelzimmer im Drei Kronen entsprechen schon seit einem Jahrzehnt dem Drei***Sterne Komfort der Deutschen Hotelklassifizierung.

Das neue Sudhaus im Drei Kronen

Ein richtiger Mann soll in seinem Leben: ein Haus gebaut, eine Baum gepflanzt, einen Sohn gezeugt und mindestens einen Achtzylinder gefahren haben.

Beim Bierbrauer kommt noch eins dazu: Ein Sudhaus gebaut haben – so das Klischee ...

Im November 2003 fand in Nürnberg der Preis zum „Europäischen Bierstar“ statt. Ein Wettbewerb, der sich vor allen Dingen dadurch auszeichnet, dass er nicht auf chemische Analysen basiert, sondern rein auf Geschmack. Chef des Verkostungs- und Beurteilungsteams war der TV Koch Alexander Herrmann. Er und seine Jury waren vom „Stöffla“ so angetan, dass es in der Klasse „Spezialbiere / Rauchbier“ mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Angeregt von dieser Preisverleihung und angespornt vom Berufswunsch der ältesten Tochter Isabella, Brauerin zu werden, beschloss der Familienrat die Investition in ein neues Brauhaus. Das erste Angebot umfasste eine vollautomatische Anlage. – Niemals, denn bezahlbar, klassisch und sprichwörtlich handwerklich sollte es sein und vor allen anderen Dingen: das Kühlschiff musste verwendet werden. Das ist die traditionelle Kühlung der Ausschlagwürze, die es nicht erwünschten Geschmackstoffen ermöglicht, durch den Dunstabzug ins Freie zu gelangen.

Im Oktober 2004 war es soweit: die Keller waren voll, alle Fässer gefüllt, die alte Anlage wurde demontiert. Die Memmelsdorfer, neugierig was in den Drei Kronen passiert, tranken zum Entsetzen des Braumeisters die Vorräte nieder. Anfang Dezember war das Stöffla ausgetrunken, das Lager kurz danach niedergetrunken, allein das Hefepils hielt noch einigermaßen die Stellung. Am ersten Dezember 2004: der erste Sud! Mit dem Braumeister der Fa. Kaspar Schulz wurde er eingebraut. Nachdem der Name „Drei Kronen“ von den Drei Königen kommt, lag es nahe, das erste in der neuen Anlage gebraute Bier einem dieser Könige zu widmen: Die Entscheidung fiel auf „Balthasar“ – ein würziges, helles, nicht stark gehopftes Bier, mit einer fruchtigen Hefe vergoren, leicht und locker im Geschmack. Und pünktlich zum Dreikönigstag konnte das Sudhaus offiziell seiner Bestimmung übergeben werden und das erste Bier für die Gästen gezapft werden. Begeistert und trotz großer Kälte waren Hof und Wirtshaus voll, eine Wiederbelebung der alten Tradition „Stärk antrinken“ lebte auf. 2006 folgte „Melchior“ – ein klassisches Schwarzbier und 2007 als dritter der „Caspar“ eine vollmundige, bernsteinfarbige im Märzenstil gebraute Bierspezialität.

Seit dem laufen am Stammtisch der „Drei Kronen“ die Spekulationen, wie die Bierreise weitergeht: wieder mit dem Rhythmus Balthasar, Melchior und Caspar? Aber da gibt es ja auch den Stern von Bethlehem, den Stall mit Krippe, Ochs und Esel … man darf gespannt sein …

550 Jahre Schenkstatt und Brauort

  Vor genau fünfeinhalb Jahrhunderten, vier Jahre nach der Eroberung von Byzanz durch die Türken und 14 Jahre nach der Errichtung des Hochgrabes für den Heiligen Bischof Otto von Bamberg auf dem Michelsberg erwirbt Hanns Hilbrant am Dreikönigstag 1457 von Fritzen Seuerlein dem Jüngeren das Anwesen mit dem verbrieften Schankrecht.

Über die Jahrhunderte war der Betrieb Aufgabe und Lebensgrundlage vieler Generationen. Mit zielbewusstem Unternehmergeist erfüllte jede Generation die Bedürfnisse ihrer Zeit und sicherte so den Fortbestand des Anwesens für die Nachkommen.

Eines ist bis heute gleich geblieben, egal welche Generation wirtschaftete, unbeeindruckt von den regionalen Ereignissen oder vom jeweiligen Lebensstil - hier wurde immer Bier gebraut und an die Gäste ausgeschenkt. Und genau diese Tradition schuf das Flair dieses Ortes: Er zieht immer gleichermaßen Menschen an, solche, die mit Leidenschaft Bier brauen und jene, die es überzeugt zu genießen wissen.

Wäre Hanns Hilbrant heute unter uns, würden ihn sicher die technischen Neuerungen als Werk des Teufels erschrecken. Aber beim Besuch unseres Drei-Königs-Sudhauses, wenn ihm der aromatische Duft der frisch gebrauten Würze vom Kühlschiff entgegenweht, dann würde sich sein Herz beruhigen und mit Brauerstolz würde er sein erstes Glas „Stöffla“ zum Himmel erheben. Leider können wir ihm diese Freude nicht erfüllen. Deshalb feiern wir dieses Jubiläum auch im Andenken an vergangene Generationen, damit wir das Wissen um unsere Wurzeln nicht verlieren.
Als Anregung haben wir für Sie, liebe Gäste, einige Anekdoten zusammengetragen, die Historie seit 1457 skizziert und mit den besonderen Ereignissen der Geschichte des Hauses ergänzt. Wann immer unsere Gäste ihre Erinnerungen und ihre erlebten Geschichten – bei einem Glas Stöffla im Drei Kronen – erzählen, weht der Hauch menschlicher Zusammengehörigkeit und dann ist es wieder da, das Flair des Ortes der Bierkultur und Gastfreundschaft. Imaginär, aber spürbar taucht dann auch das Andenken an die tausenden von armen Seelen auf, die sich hier in Memmelsdorf im behüteten Miteinander von Pfarrkirche und Wirtshaus wohlgefühlt haben und sich gut aufgehoben wussten.

Die Orgelweisse

Die Memmelsdorfer Pfarrgemeinde beschloss Anfang der 90er Jahre die Anschaffung einer neuen Orgel. Dazu waren alle Bewohner aufgerufen, sich mit einer Spende zu beteiligen.

Nun wollte die Familie Straub natürlich nicht hinten anstehen. Und so wurde die Idee geboren, sich mit einem Spezialbier an der Spende zu beteiligen. Beruflich war der leidenschaftliche Brauer schon lange an der Herstellung eines Hefeweizens interessiert. Behaupteten doch bayerische Kollegen, dass die Franken kein Weissbier brauen können. Allein fehlte ein Anlass sich mit dem obergärigen Spezialbier zu beschäftigen. Und da kam die Sache mit der Orgel gerade recht.

Also wurde ein Hefeweizen gebraut, Gläser mit einer stilisierten Orgel besorgt und das Ganze mit der Bezeichnung „Orgelweisse“ versehen. Für jedes verkaufte Glas gingen 20 Pfennige in die Orgelkasse. Es war ein durchschlagender Erfolg, denn innerhalb kürzester Zeit war der Sud verkauft und die Spende der Familie Straub auf einen runden vierstelligen DM Betrag aufgerundet.

Der Eisturm

Am westlichen Ende der Brauerei erhebt sich ein markantes, in Backsteingotik erbautes Gebäude: der Eisturm der Drei Kronen.

Vor Erfindung der ersten Kältemaschine durch den Franken Carl von Linde, der um 1880 in einer Brauerei die erste „Kältetechnische Anlage“ der Welt errichtete, war es nicht möglich Eis maschinell herzustellen. Also brauten die Brauer ihre Würze in der Ortschaft und pumpten sie Abends auf das Kühlschiff unter dem Dach. Die Luft der Nacht kühlte es dann ab. Am nächsten Morgen fuhr man in großen Holzfässern die Würze in die Bierkeller zum Lagern. Bis es eben im Gasthaus gebraucht wurde.

Damit sich der Keller im Sommer nicht aufheizte, wurde auf dem Boden heller Kies gestreut, der die Sonnenstrahlen reflektierte. Schattenspendende Bäume hielten den Ort kühl. Die Gäste merkten schnell, dass das Bier am frischesten schmeckte, wo es gelagert wurde. Die Brauer stellten auf dem Keller Tische und Bänke auf, die Gäste brachten die Brotzeit selbst mit. So ist die fränkische Kellerkultur entstanden und ab 20 Grad und trocken ist „Kellerwetter“ und der Bamberger geht „auf´n Keller“. Auch die „Drei Kronen“ hatten einen Keller, der war Nordseitig gelegen, also Richtung Drosendorf. Für das Bier war der Keller gut, weil es der kälteste war. Für das Geschäft war dies eher schlecht, weil es wirklich der kälteste Keller war …Des Fasstransportes Leid, baute Nüßlein 1880 den Eisturm. Er ist 20m hoch und fasste unglaubliche 1100 m³ Eis. Hinter der jetzigen Memmelsdorfer Tankstelle befand sich der Eisweiher. Im Winter, wenn der Weiher gefroren war, ging es an das „Eisen“. Saisonarbeiter zogen mit riesigen Baumsägen los, schnitten das Eis in Brocken, luden dieses auf und fuhren es in den Ort. Mittels eines Aufzuges wurde das kostbare Gut nach oben transportiert und in den Eisturm geworfen. Damit konnte man das Bier kühl halten. Das „Eisen“ war ein willkommenes Zubrot, zwar anstrengend, aber auch sehr gesellig. Und wer nicht aufpasste und auf den glatten Eisschollen ausrutschte, der brauchte beim Feierabendbier nicht für Spott zu sorgen.

Da es auch früher schon milde Winter gab, in denen es nicht möglich war Natureis zu erhalten wurde unser Eisturm für eine zweijährige Nutzung gebaut. Eis war ein kostbares Gut, wenn das Eis vor der Zeit zu Ende war, war die Brauerei am Ende. Daher war ein Schild an der Kellertür mit dem Hinweis angebracht: „Türe offen lassen=Selbstmord“. Der Eisturm war bis 1963 in Betrieb und ist heute ein Industriedenkmal.

Der Pfarrer und sein Wirt

In Bayern, und auch speziell in Franken, ist schon immer das Verhältnis zwischen Pfarrer und dem Wirt ein wichtiges gewesen.

Sorgte doch der – meist strenge – Pfarrherr für das seelische Wohl, so kümmerte sich der Wirt um das Leibliche. Wie überall in Franken – so auch in Memmelsdorf – erhebt sich die Kirche, unübersehbar, im Ortszentrum. Ab 1707 wurde die Kirche barock von Baumeister Balthasar Caminata erweitert nach den Plänen von Leonhard Dientzenhofer. Auf der prächtigen Kirchenmauer stehen ab 1977 wieder diverse Heiligenfiguren, in Stein von Ferdinand Tietz gemeißelt. Wie allerorts in Bayern – steht das Wirtshaus gegenüber der Kirche – so auch die „Drei Kronen“.

War die Großmutter des jetzigen Besitzers, die Forster‘s Kathi, mit dem alten Pfarrherrn Josef Lang als Vettern und Base verwandt, so begann die Dienststelle des neuen Pfarrers Lothar Güthlein 1974 eher ungewöhnlich. Da das alte Pfarrhaus dringend renovierungsbedürftig war bezog der neue Pfarrherr mit seinem Kaplan, Ewald Thoma, vorübergehend den zweiten Stock des Brauereigasthofes, welcher kurzerhand zum Pfarrhaus umfunktioniert und umbenannt wurde. So ergab sich eine Arbeitsteilung: Die Wirtsleute nahmen Nachrichten entgegen, hielten Schnorrer vom Pfarrherrn ab und halfen mit den ersten Pfarr-Faschingsball zu organisieren. Und die Pfarrherren gaben Gästezimmerschlüssel heraus, halfen Hotelgästen mit schweren Koffern zu ihren Zimmern und predigten auch mal am Stammtisch.

18 Monate dauerte das Intermezzo, bis das Pfarrhaus wieder bezugsfertig war.